Archiv für März 2008
Black Thorn Festival (28.03.08 / Moers Volksschule) - Review
Das erste Black Thorn Festival ist vorbei! Vier Metalbands konnten sich vor den ca. 70 (grob geschätzt) Besuchern beweisen! Die Band SPIRITS OF DARKNESS (Bocholt) hatte sogar eigens einen Fanbus anreisen lassen!
Die Stimmung in der Volksschule war bei den Anwesenden schon vor Beginn des Festivals locker und freundlich. Beginnen sollte der Spaß eigtl. um 19 Uhr, doch aufgrund von Soundproblemen und Feinabstimmung verschob sich das Ganze um ca. 45 Minuten.
Nichtsdestotrotz begann die erste Band SPIRITS OF DARKNESS ihr Set mit viel Spielfreude und Enthusiasmus. Die mitgereisten Fans bildeten regelrecht eine Mauer in den ersten Reihen vor der Bühne und sorgten für eine ausgelassene Stimmung. Die Band zeichnete sich durch einen Deathmetal-lastigen Sound aus, der durch schwarzmetallische Einflüsse im Gesang ergänzt wurde. Sehr gelungen fand ich die Verbindung zweier Songs durch ein kurzes knackiges Drumsolo zum Ausklang und zur Einstimmung. Neben alten bekannten Songs, wie „Rotten Love“ und „Twilight Of Gods“ boten die SPIRITS OF DARKNESS zudem zwei neue Songs auf!
Die zweite Band des Abends hieß MY DOMINION (Essen). Diese legten auch gleich rasant mit ihrem „Ruhr Area Metal“ los! Die vier bestens gelaunten Bandmitglieder spielten ein abwechslungsreiches Set, welches gleich mehrere musikalische Einflüsse vereinte. Auf der Grundlage von groovigem Deathmetal konnte man Einflüsse aus dem Thrash- und Rockbereich raushören. Der facettenreiche, zweistimmige Gesang wechselte zwischen Growls, Cleangesang und Screams. Die Songpalette von MY DOMINION ging querbeet durch die Bandgeschichte, wobei die drei Stücke „My Dominion“, „Don’t Hesitate“ und „Butchered“ der neuen EP „Ruhr Area Metal“ im Vordergrund standen.
Nun war die exotischste Band des Abends an der Reihe, nämlich APOCRYPHAL aus Weißrussland (sogar dort gibbet Metal!). Die Band existiert schon satte 14 Jahre und hat dementsprechend schon einiges veröffentlicht. Die Ansagen des Sängers waren etwas schwer verständlich (Akzent), dies tat dem Auftritt aber keinen Abbruch. Der Black-Deathmetal von APOCRYPHAL wusste zu gefallen. Gespielt wurden hauptsächlich Songs der beiden Alben „Mask“ (1999) und „Hear My Call“ (2006). Soweit ich weiß, war dies der erste Deutschland-Gig der Weißrussen, der seine Premiere beim Black Thorn Festival fand.
FATE OF PYRE hieß der Headliner des ersten Black Thorn Festivals. Die fünf Jungs aus Frankfurt an der Oder nahmen die längste Spielzeit ein (ca. 60 Minuten) und spielten fast ihr gesamtes „Todgeburt“-Album, aber auch einige neue Songs. Als kleine Zugabe gab es ein Geburtstagsständchen und ein Sauflied. Das Besondere am Black-Deathmetal von FATE OF PYRE ist sicherlich der Einsatz einer Posaune bei einigen Liedern, da dieses Instrument nun wirklich selten bis gar nicht im Metalbereich eingesetzt wird. Für Abwechslung im überwiegend temporeichen Set sorgte auch die Geigenpassage zu Beginn eines ruhigeren Songs. Die Band hatte sichtlich Spaß am Auftritt, auch wenn sich die Zuschauerreihen leider schon deutlich gelichtet hatten. Dies lag aber weniger an der Band, sondern mehr am Standort des Konzertes (typisch für Moers, dass nach 23 Uhr die Luft raus is).
Abschließend bleibt zu sagen, dass das erste Black Thorn Festival auf jeden Fall ein Erfolg war! Veranstalter Tobi zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf, man konnte den ein oder anderen netten Plausch mit den Bands halten und sich mit Cds und Shirts am Merchstand, zu fairen Preisen, eindecken. Obwohl sich der Beginn des Festivals um 45 Minuten nach hinten verschoben hatte, konnte der Zeitplan eingehalten werden, sodass pünktlich um Mitternacht Schluss war. Über den Sound während der Auftritte lässt sich wie immer diskutieren, aber ich hab schon Schlimmeres erlebt
Laut Tobi wirds ein nächstes Black Thorn Festival geben, man darf gespannt sein und sich schon mal freuen! Also bis zum nächsten Mal!
Autor: Bogi, 29.03.08
Sideshift Harry - The Judas Brothel
Sideshift Harry
The Judas Brothel
2008 im Selbstvertrieb
http://myspace.com/sideshiftharry
Sideshift Harry, wer ist das? Kennt natürlich keine Sau, außer jemand hat meinen letzten Konzertbericht gelesen.
Sideshift Harry sind 4 junge Herren aus dem niederländischen Roermond, vielen vielleicht durch das Outlet-Center bekannt.
Was liefern uns also die vier mit dieser CD?
Mit ihrem zweiten Longplayer “The Judas Brothel”, was soviel heißt wie “Das Judas Bordell”, bringen Sideshift Harry eine erstklassige Ska/Reggae-CD auf den Markt, vor anderen Einflüssen wie Punk, Metal, Surf, Dub und Rock verstecken sie sich aber auch nicht.
Gehen wir einfach mal der Reihe nach vor:
Das Album kommt im üblichen Jewel-Case ohne weitere Extras daher. Das Cover, in Sepia und Schwarz mit weißem Rand, zeigt zwei leicht bekleidete Damen und einen leichtbekleideten Herren, man könnte sie dem Titel entsprechend als Prostituierte identifizieren, allgemein könnte das Cover auch eine CD einer Emoband bedecken, aber weit gefehlt:
Nach Einlegen der CD bekommt man 13 (+ Hidden Track) Sommertanzhits in ganzen 62 Minuten geliefert.
Los geht es mit dem Song “Dectalk +, DecTalk bezeichnet das System, mit dem z.B.Stephen Hawkins sich artikuliert, dementsprechend ist dies ein schneller, elektronischer Skasong mit etwas dunkler Atmosphäre, der einen guten Einstieg in dieses Album bietet.
Weiter geht es mit “Got 2 Get Up”, wer kennt das nicht, man muss aufstehen, möchte aber viel lieber in seinem Bett liegen bleiben, genau hierzu läd dieser lässige und langsame Reggaesong ein. Treibend führt der nächste Song, “Pocket 64″ als Skasong mit vielen Synthesizereinsätzen weiter durchs Album. Als nächstes steht auf der Tracklist “Femme Fatale”, hier zeigen die vier Jungs aus Holland, wie vielseitig sie sind, ein schöner Punkrocksong, genau wie der nachfolgende Song “Fatwa”, ein schneller Song, eine brisante Mischung aus Punk, Ska und Reggae.
Die nächsten Songs auf dieser Platte begeistern weiter, ein Hit jagt den anderen, immer ihrem Stil treubleibend Ska/Reggae/Punk mit oben erwähnten einflüssen und exzessivem Einsatz von Synthesizer, Talkbox und Stimmverzerrung, diese Effekte fügen sich allerdings immer ideal in den Song ein.
Besonders hervorstechend ist auf jeden Fall der Song “Dob Bylan”, na, wer erkennt da was? Ein langsamer Countrysongwritersong.
Da wären wir nun fast am Ende der CD, es folgen noch 3 Songs, in denen Sideshift Harry immer weiter ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Am Schluss möchte ich noch den Hidden-Bonus-Track erwähnen, ein Coversong des niederländischen Popduos “Maywood” aus den 80ern, “Rio” in klassisch-sonniger Sommerskapunkversion.
Fazit: Meiner Meinung nach ist diese Platte eine der besten Ska/Reggae/Punk-Crossoverplatten, die mir in der letzten Zeit unter die Augen gekommen ist, diese 4 Niederländer beherbergen einiges an Potential. Wer Zeit dafür findet, sollte auf jeden Fall auf Sideshift Harrys myspaceseite einmal reinhören, was sie so fabrizieren.
Planlos - Feuer & Flamme
Planlos – Feuer & Flamme

Goldenen Zeiten, 2008
http://www.planlos-online.de
http://www.myspace.com/planlosde
Über 10 Jahre Bandgeschichte, sie standen schon mit Wizo und The Bates auf der Bühne, haben ihr Jubiläums-Konzert vor über 1000 Mann gespielt, wurden von Kritikern hoch gelobt und doch genauso zerrissen. „Hosen-Imitate“, „Kommerz“ und „Emo“ sind Worte die man im gleichen Maß zu Fanbekundungen und großer Wertschätzung zu hören bekommt. Planlos gehört definitiv zu den Bands die, die Hörergemeinschaft in 2 Lager teilt.
So überraschen auch nicht die ersten 2 Songs auf dem mittlerweile fünften Album der Jungs aus Grevenbroich.
Mit der Feststellung „in jedem Loch in diesem Land steht Planlos an der Wand“ und einem kleinen Resümee der letzten 10 Jahre geht mit „music is my girlfriend“ ein Dank an alle Fans raus. „Etiketten“ hingegen ist eine klare Abrechnung mit allen Kritikern. Während hier die Kommerzialisierung des Punks angeführt wird, spricht sich die Band von jeglichem Etikett frei und straft den Kritiker mit Gleichgültig und wirft noch freudig ein wenig Ironie zum Thema Hosen-Klon ins Feuer. „wir haben die Melodie geklaut, mir am Kehlkopf rumgeschraubt damit ich klinge wie der Frege“
Nachfolgend gibt es die typisch melancholischen Planlos-Songs, von denen gerade „wenn es regnet“ besonders heraussticht und auf Konzerten unter Garantie mit schwenkenden Feuerzeugen begleitet werden wird. Mit Gasttrompete und –Posaune kommt „alles super“ auffällig ska-ig daher, „schwarzes Schaf“ und „Himmel oder Hölle“ stellen die Frage nach Gott, Sinn und Ende des Lebens und hätten auch als ein Song gereicht. Gegen Ende der Scheibe wartet man auf den typischen Ohr-Wurm-Song, den man schon beim ersten Mal mitsingen kann und findet ihn dann auch im letzten Song „es kommt wie es kommt“, passend eingeleitet mit dem Satz „bevor du gehst lass dir erzählen:“.
Unterm Strich plätschert dieses Album einfach so dahin. Planlos erfinden hier weder sich noch ein Musik-Genre neu. Stark politisch oder gesellschaftlich kritische Songs sucht man vergebens. Die Texte sind zum teil ganz nett, aber nicht überragend und dies gilt auch fürs gesamte Album. Völlig abgesehen von der klanglichen Ähnlichkeit zwischen Pino Avanzato und Campino, oder dem Punkt das diese CD auf Ex-Hosen-Drummer Wöllis Label erschienen ist, erinnert dieses Album an jüngere DTH-Scheiben, nur das diese zumindest immer ein bis zwei bleibende Songs hatten. Im Vergleich mit den vier Vorgängeralben kann „Feuer & Flamme“ leider nicht mithalten und landet auf dem letzten Platz. Allgemein verschwindet es wohl eher irgendwo in der Mittelmäßigkeit.