Archiv für die Kategorie „Konzert-Reviews“
Beat Plantation am 25.07.09 im Druckluft, Oberhausen
Es gibt ja Veranstaltungen, da wird man quasi von Areas, Acts und Installationen erschlagen, da können die meisten Großraumdiskotheken quantitativ nicht mit ihrem gesamten Wochenprogramm gegenhalten, qualitativ schon gar nicht. Die Beatplantation im Oberhausener Druckluft gehört ganz sicher in die Kategorie “Medial Overflow”, was nun nicht unbedingt negativ zu verstehen ist, man konnte sich sehr variantenreich amüsieren. Techno Area, Drum n Base Area, Funk Area, Poetry Garden, Live-Stage, Skribble Gebibble Colour Geballer Malabendmitfreundensitzarea, Poetry Garden, super Lichtinstallationen und noch ganz viel andere Acts und Aktionen verwandelten das Druckluft in eine riesige Partyarea.
Ich kann euch leider nur ein wenig über meine Erlebnisse berichten, allumfassend kann ich nicht berichten, da es einfach zu viel gab. Wir kamen also irgendwann kurz vor 24 Uhr am Druckluft an (weil es bis 24 Uhr 2€ weniger Eintritt kostet) und haben uns erst einmal im Poetry Garden niedergelassen. Claas Neumann hostete den heutigen Poetry-Abend und begann direkt mit einem Text über sein Alkoholproblem, seinen verstorbenen Vater und den Hass auf die Freundin seines verstorbenen Vaters. Es folgte ein junger Herr Anfang 20 mit einem Text über seine verstorbene Lebensgefährtin, seinen Vortrag beendete er mit den Worten “Aber das ist jetzt auch schon vier Jahre her, dass sie tot war!” Zumindest ehrlich ist er, auch wenn es nicht zur Glaubwürdigkeit seines Textes beiträgt. Jetzt bestieg ein Künstler aus Münster die ebenerdige Bühne, Andreas Weber, der Host des Münsteraner Poetry Slams im Cuba Nova, mit seinem Text “Der kleine Mann von der Straße” aus seinem Buch “Rotes Sofa inklusive Taxigeschichten”, hört es euch einfach an. Weiter ging es mit einer Dame, dessen Text und Namen ich schon wieder vergessen habe, war wohl unwichtig. Nun kam Andi Substanz ans “Mic”, ein wunderbarer Künstler, dem man aber zuhören muss, um ihm folgen und ihn verstehen zu können. So, erste Runde vorbei, weiter ging es mit der zweiten Runde, Claas Neumann trägt irgendwas ironisch erbrochenes über Wald- und Wiesennazis und Ökofaschisten vor. Endlich zu Ende, auf in die nächste Runde für den jungen Mann mit der Freundin, die irgendwann vor vier Jahren mal (kurzzeitig?) tot war - nein, doch nicht, der Gute hat sich in der Zwischenzeit eine andere Beschäftigung gesucht und konnte nicht mehr aufgefunden werden. Jetzt wieder Andreas Weber mit einem lustigen Text, danach die Dame, deren Namen ich vergessen habe, mit einer skurrilen verkürzten Kapitalismuskritik, ich war kurz davor zu gehen (aber auch, weil es draußen immer kälter wurde), aber Andi Substanz wollte ich mir noch anhören, auch wenn ich euch nicht sagen kann, worum es ging. Poetry Slam, 2. Runde vorbei, erstmal Musik mit Tanz von und mit irgendeiner Band, für mich eine gute Gelegenheit, aufs Klo zu gehen und nicht mehr in den Poetry Garden wiederzukommen. Nach ein paar Cola und einem Toilettenbesuch fand ich mich und meine Begleiterinnen vor der Werkstatt des Drucklufts wieder, in dieser trieben zwei Artists ihr Plattenspieler durch Fahrradfahren an, interessante Installation mit coolen musikalischen Elementen, kann man nicht unbedingt beschreiben, sowas ist Aktionskunst, die man sich selbst ansehen- und -hören- muss.
Jetzt wollte ich aber auch mal was rockiges hören…wie gerufen schallte aus der Halle ein rauer, ungeschliffener Garage BeatnRoll-Sound. Beatrevolver aus Köln begannen gerade ihr Set des heutigen Abends, das quasi nur “neue Songs” beinhaltete. Eine wirklich gute Band, die ihren Sixties-Mod-Influenced-Garage-Beat-Rock nicht nur durch ihre smarten Anzüge, sondern auch durch ihre Musik von der Bühne in den Saal bringen. Übrigens, Beatrevolver ist am 10. Oktober im Duisburger Steinbruch zu sehen.
Ich blieb bei Livemusik, die Band wechselte: The Incredible Derrick betrat die Bühne und lud das Publikum zum Tanzen und Skanken mit sonnigen Skabeats in den beginnenden Morgen ein, zumindest konnte man gegen Ende des Konzertes gegen 4 Uhr schon die aufgehende Sonne erahnen, was für mich ein Zeichen war, endlich mal das Bett aufzusuchen…
Übrigens: Die nächste Beatplantation findet am 22.08. im Druckluft statt, vielleicht sieht man sich ja da!
Die Broilers beim Heimspiel im Düsseldorfer Stahlwerk
Am vergangenen Samstag, dem 10.05., hat die Düsseldorfer Punkrock-Querbeeteinfluss-Combo Broilers den zweiten Gig ihrer DVD-Record Show im Düsseldorfer Stahlwerk gespielt, nachdem sie am Vortag in Leipzig den ersten Teil ihrer beiden Shows gespielt hatten. Natürlich war ich da, um euch davon zu berichten.
Vor dem Konzert habe ich allerdings noch Andi, den Drummer und Chris, den Keyboarder erwischt, die mir ein kurzes Interview gaben. Eine ganz kurze Bandgeschichte, wann die DVD veröffentlicht werden soll, was das ganze mit Feuerpolka zu tun hat und vieles mehr erfahrt ihr hier:
[audio:interview_broilers.mp3]
Es wurde groß aufgefahren am Samstag im Stahlwerk. Komplett ausverkauft, wie auch die letzten Shows sowie die auf 2222 Stück limitierte Ruby Light & Dark EP vor einigen Wochen, über 2000 Leute versammelten sich also im Stahlwerk, über 5 Videokameras, eine davon auf einem Kameraarm, der quer durch die Halle ragte, dass sind schon einmal gute Vorraussetzungen für eine gelungene DVD-Recording-Show, des weiteren waren es bis 20 Uhr noch ca. 25°C Außentemperatur (ja, das brachte mich auf der Fahrt nach Düsseldorf ordentlich ins Schwitzen)
Aber es sollte noch besser werden: Die Vorband waren keine Unbekannten, es waren vier Psychobillys aus London, England, zwar waren diese vier Jungs hässlich, so wie die meisten Briten, aber sie machten verdammt gute Musik - es waren The Grit. Gegen 20 Uhr begannen die Vier mit ihrem Set, als erstes spielten sie ihren Hit “Surrender”, viele weitere grandiose Songs folgten, bei einigen gaben sich Herr Drummer, Herr Keyboarder und Herr Gitarrist der Broilers die Ehre, den Gesang zu unterstützen. Man kann sagen, da weiß jemand das Publikum, was zu der Zeit noch aus ca. 1000 bis 1500 Personen bestand, was wohl an dem schönen Wetter lag, richtig anzuheizen. Gegen kurz vor 21 Uhr waren sie dann fertig.
Was dann geschah, war einmalig. 2000 Leute, die eine gute halbe Stunde Sprechchöre alla “Let´s go Broilers” oder “Wir woll´n die Broilers seh´n” durch die Halle schallen ließen. Gegen kurz vor 21:30 Uhr ging der Vorhang auf und die vier Herren und die eine Dame stürmten auf die Bühne. Los ging es dann mit “Zurück zum Beton”, das Publikum tobte, die Luft war hier schon ohne Motorsäge nicht mehr zu schneiden, ohne Pause ging es mit “Mit einem Fuß im Grab”, “Geboren zu Gewinnen” und dem Hit der letzten EP “Ruby Light & Dark”, erst jetzt kam die erste Begrüßung ans Publikum. Weiter ging es mit Songs wie “Köngisallee”, “Nur die Nacht weiß”, “69-77-88″ oder “Ich sah kein Licht”. Gespielt wurde in einer unglaublichen Geschwindigkeit, nach einer guten halben Stunde waren schon 10 Songs gespielt, verstärkt wurden die Broilers heute von einem Bläsersatz.
Jetzt folgte ein interessantes Cover des Songs “Skinhead Girl”, weiter ging es mit “An all den Schmutz” und “Wenn du jetzt denkst”, irgendwo hier machte auch jemand auf der Bühne seiner Liebsten einen Heiratsantrag, die natürlich bejahte, natürlich verließen die beiden dann auch unter Beifall die Bühne, das scheint momentan Trend zu sein, auf Punkrock-Konzerten Heiratsanträge zu machen.
Dann spielten die 4 Düsseldorfer und eine Düsseldorfin Lieder wie ” Heute schon gelebt”, “Lost Soul”, “Hexenjagd” und einem Medley aus “Verlierer sehen anders aus”, “Weg von den Straßen”, “Paul der Hooligan” und “Werdet ihr folgen?”. Hier war das reguläre Set schon fast vorbei. Es folgten noch die 4 etwas älteren Songs “Dumm & Glücklich”, “In 80 Tagen um die Welt”, “Dein Leben” und als Ende “Meine Sache”, das Publikum kochte fast über vor Begeisterung, hier verließen die Broilers nun die Bühne, nach 22 Songs und über 1:30h Spielzeit.
Das Publikum wollte jedoch mehr, das sollten sie dann auch bekommen: Nach kurzer Zeit, überbrückt mit abermaligen Sprechchören kamen die Broilers noch einmal auf die Bühne um “Alles was ich tat”, “Weißes Licht” und “Geister die ich rief” zu spielen, das war der Audienz scheinbar trotzdem nicht genug, so mussten noch weitere 4 Zugaben gespielt werden, unter anderem “Woke up this Morning”, dem Sopranos Theme Song, der auch auf der Ruby Light & Dark EP zu finden ist. Schlussendlich beendeten die Broilers ihr Heimspiel in Düsseldorf mit dem ersten Song, den sie jemals auf einer Platte veröffentlicht haben, das war 1996, der Song heißt “Schenk mir eine Blume”, so ging ein ganz besonderes Konzert, 29 Songs in knapp 2 Stunden, für das Publikum und auch für die Broilers zuende, die laut eigener Aussage das erste mal in Begleitung ihrer Eltern ein Konzert spielten.
Der Abend sollte allerdings noch nicht enden, bei der Aftershowparty im Stahlwerk wurde noch feucht-fröhlich bis in den frühen Morgen gefeiert.
Im übrigen erscheint die DVD wohl Ende diesen/Anfang nächsten Jahres. Die Broilers könnt ihr z.B. am 28.06. beim Vainstream Rockfest in Münster oder beim Fear & Fury Festival am 20.08. in Herne bestaunen.
Black Thorn Festival (28.03.08 / Moers Volksschule) - Review
Das erste Black Thorn Festival ist vorbei! Vier Metalbands konnten sich vor den ca. 70 (grob geschätzt) Besuchern beweisen! Die Band SPIRITS OF DARKNESS (Bocholt) hatte sogar eigens einen Fanbus anreisen lassen!
Die Stimmung in der Volksschule war bei den Anwesenden schon vor Beginn des Festivals locker und freundlich. Beginnen sollte der Spaß eigtl. um 19 Uhr, doch aufgrund von Soundproblemen und Feinabstimmung verschob sich das Ganze um ca. 45 Minuten.
Nichtsdestotrotz begann die erste Band SPIRITS OF DARKNESS ihr Set mit viel Spielfreude und Enthusiasmus. Die mitgereisten Fans bildeten regelrecht eine Mauer in den ersten Reihen vor der Bühne und sorgten für eine ausgelassene Stimmung. Die Band zeichnete sich durch einen Deathmetal-lastigen Sound aus, der durch schwarzmetallische Einflüsse im Gesang ergänzt wurde. Sehr gelungen fand ich die Verbindung zweier Songs durch ein kurzes knackiges Drumsolo zum Ausklang und zur Einstimmung. Neben alten bekannten Songs, wie „Rotten Love“ und „Twilight Of Gods“ boten die SPIRITS OF DARKNESS zudem zwei neue Songs auf!
Die zweite Band des Abends hieß MY DOMINION (Essen). Diese legten auch gleich rasant mit ihrem „Ruhr Area Metal“ los! Die vier bestens gelaunten Bandmitglieder spielten ein abwechslungsreiches Set, welches gleich mehrere musikalische Einflüsse vereinte. Auf der Grundlage von groovigem Deathmetal konnte man Einflüsse aus dem Thrash- und Rockbereich raushören. Der facettenreiche, zweistimmige Gesang wechselte zwischen Growls, Cleangesang und Screams. Die Songpalette von MY DOMINION ging querbeet durch die Bandgeschichte, wobei die drei Stücke „My Dominion“, „Don’t Hesitate“ und „Butchered“ der neuen EP „Ruhr Area Metal“ im Vordergrund standen.
Nun war die exotischste Band des Abends an der Reihe, nämlich APOCRYPHAL aus Weißrussland (sogar dort gibbet Metal!). Die Band existiert schon satte 14 Jahre und hat dementsprechend schon einiges veröffentlicht. Die Ansagen des Sängers waren etwas schwer verständlich (Akzent), dies tat dem Auftritt aber keinen Abbruch. Der Black-Deathmetal von APOCRYPHAL wusste zu gefallen. Gespielt wurden hauptsächlich Songs der beiden Alben „Mask“ (1999) und „Hear My Call“ (2006). Soweit ich weiß, war dies der erste Deutschland-Gig der Weißrussen, der seine Premiere beim Black Thorn Festival fand.
FATE OF PYRE hieß der Headliner des ersten Black Thorn Festivals. Die fünf Jungs aus Frankfurt an der Oder nahmen die längste Spielzeit ein (ca. 60 Minuten) und spielten fast ihr gesamtes „Todgeburt“-Album, aber auch einige neue Songs. Als kleine Zugabe gab es ein Geburtstagsständchen und ein Sauflied. Das Besondere am Black-Deathmetal von FATE OF PYRE ist sicherlich der Einsatz einer Posaune bei einigen Liedern, da dieses Instrument nun wirklich selten bis gar nicht im Metalbereich eingesetzt wird. Für Abwechslung im überwiegend temporeichen Set sorgte auch die Geigenpassage zu Beginn eines ruhigeren Songs. Die Band hatte sichtlich Spaß am Auftritt, auch wenn sich die Zuschauerreihen leider schon deutlich gelichtet hatten. Dies lag aber weniger an der Band, sondern mehr am Standort des Konzertes (typisch für Moers, dass nach 23 Uhr die Luft raus is).
Abschließend bleibt zu sagen, dass das erste Black Thorn Festival auf jeden Fall ein Erfolg war! Veranstalter Tobi zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf, man konnte den ein oder anderen netten Plausch mit den Bands halten und sich mit Cds und Shirts am Merchstand, zu fairen Preisen, eindecken. Obwohl sich der Beginn des Festivals um 45 Minuten nach hinten verschoben hatte, konnte der Zeitplan eingehalten werden, sodass pünktlich um Mitternacht Schluss war. Über den Sound während der Auftritte lässt sich wie immer diskutieren, aber ich hab schon Schlimmeres erlebt
Laut Tobi wirds ein nächstes Black Thorn Festival geben, man darf gespannt sein und sich schon mal freuen! Also bis zum nächsten Mal!
Autor: Bogi, 29.03.08